Lacke

"Lack" ist nach DIN 55945 ein Sammelbegriff für Anstrichstoffe, die Beschichtungen mit bestimmten Eigenschaften ergeben, also z.B. qualitativ und optisch besonders hochwertige Oberflächenfilme bilden oder gegenüber besonders vielen Chemilkalien beständig sind.

 

Wasserlacke

 

Wasserlacke sind besonders feinteilige Dispersionsanstrichmittel, mit denen alle lacktypischen Glanzgrade erreicht werden können. Man bekommt sie für alle Zwecke, für die es auch lösemittelhaltige Lacke gibt. Sie sind wasserverdünnbar.

 

Selbst Wasserlacke mit dem blauen Umweltzeichen enthalten noch bis zu 10 % Lösemittel bzw. Weichmacher. Dabei handelt es sich um höhere Alkohole (Glykole, Glykolether), aliphatische und aromatische Kohlenwasserstoffe und Weichmacher, die wegen ihrer z.T. geringen Flüchtigkeit besonders lange brauchen, um aus dem Lackfilm zu entweichen.

 

Um die Wasserlacke während der Lagerung der Gebinde vor mikrobiellem Befall zu schützen, werden Konservierungsmittel (Topfkonservierer) eingesetzt. Bis zu 0,5 % Biozide, Isothiazolinone oder Formaldehyd können hierfür zugesetzt sein.

 

Wasserlacke auf Kunstharzbasis enthalten zwangsläufig Monomere, die sich beim Trocknen des Anstrichstoffes zusammen mit dem Wasser verflüchtigen. Ebenso enthalten sie zur Salzbildung mit den sauren Gruppen des Harzes flüchtige Amine, die beim Trocknen entweichen.

 

Die Kunststoffmonomere und die Filmbildehilfsmittel (Lösemittel und Weichmacher) sind im Wesentlichen für den Geruch der Farben verantwortlich.

 

Wasserlacke sind zwar wasserverdünnbar, aber sie dürfen dennoch nicht in die Kanalisation gelangen. Farbreste müssen wegen der Lösemittel und Konservierungsstoffe als Sondermüll entsorgt werden.

 

Öllacke und –farben

 

Öllacke und -farben enthalten neben dem Öl-Bindemittel meist noch ein Naturharz oder einen Kunststoff. Als Lösemittel dienen u.a. Testbenzin oder natürliche Lösemittel wie Balsamterpentinöl. Harzfreie Öllacke und -farben gibt es nur mit Leinöl als Bindemittel.

 

Öllacke und -farben trocken nur langsam.

 

Ölhaltige Lacke mit Kunststoff-Bindemitteln

 

Hierunter fallen die verschiedenen Alkydharze und Alkydharzkombinationen mit anderen Kunststoffen (Acrylaten, Phenol-, Melamin- und Harnstoffharzen) und die 01-Naturharzlacke.

 

Eingesetzt werden sie besonders auf Holz und Metalluntergründen für Grundierungen, Zwischen- und Deckanstriche, Korrosionsschutz und Spezialaufgaben wie z.B. Fenster- und Tür-, Heizkörper- und Bootslackierungen.

 

Alkydharzlacke

 

sind lösemittelhaltig; der Lösemittelanteil liegt bei 10 bis 50 %.

 

Alkydharzlacke, die höchstens 15 % Lösemittel enthalten, dürfen mit dem RAL-Umweltzeichen 12a gekennzeichnet werden.

 

Als Lösemittel wird meist Testbenzin eingesetzt, das aufgrund der darin enthaltenen Aromaten (Toluol, Xylol) besonders problematisch ist. Die Raumluftbelastung durch Lösemittel klingt bei Verwendung von Alkydharzlacken allerdings wesentlich schneller ab als bei Acryllacken, da die Lösemittel der Alkydlacke einen viel niedrigeren Dampfdruck haben als die der Acryllacke.

 

Alkydlacke haben zwar durch die Verwendung von Leinöl oder Rizinusöl einen im Vergleich zu anderen Kunstharzlacken hohen Anteil an nachwachsenden Rohstoffen, sind aber aufgrund der Herstellung chemische Syntheseprodukte.

 

Acryllacke

 

sind Lacke auf der Basis von Acrylharzen. Sie werden als Lösungen in organischen Lösemitteln, als wässrige Dispersionen (s.o.) oder als Pulverlacke vielfältig eingesetzt. Wasserverdünnbare Acryllacke werden bevorzugt zur Lackierung von Heizkörpern verwendet, da sie keine so starke Geruchsbelästigung wie Alkydharze hervorrufen.

 

Acrylharze lassen sich gut in Wasser verteilen, dadurch kann der Lösemittelanteil teilweise durch Wasser ersetzt werden. Wasserverdünnbare Acryllacke mit weniger als 10 % Lösemittel (schadstoffarmer Lack) können mit dem RAL-Umweltzeichen 12a gekennzeichnet werden. Es dürfen dann noch bis zu 0,5 % Konservierungsmittel und Bleisikkative (Lackhilfsstoffe) enthalten sein. Der Gehalt an Restmonomeren (Acrylnitril, Acrylsäure u.a.) kann bis zu 0,01 % betragen.

 

Schwerflüchtige Substanzen wie Glykolether, tertiäre Amine oder Weichmacher können noch über einen längeren Zeitraum während der Nutzungsphase ausgasen und gesundheitliche Beschwerden hervorrufen.

 

Dispersionslacke

 

Dispersionslack ist der Sammelbegriff für Anstrichstoffe auf der Basis von Bindemitteln, die in Wasser verteilt (dispergiert) vorliegen. Als Bindemittel dienen hauptsächlich Styrol-Acrylat-Copolymere (siehe Acryllacke), die als 50%ige Dispersion zu etwa 10 bis 15% in Dispersionslacken enthalten sind. Es werden auch Dispersionen mit Polyvinylacetat, Polyvinylchlorid (PVC) und Alkydharz eingesetzt. Dispersionslacke haben einen Lösemittelgehalt von bis zu 16 %.

 

Dispersionslacke, die mit dem RAL-Umweltzeichen 12a gekennzeichnet sind, dürfen maximal 10% Lösemittel und keine Schwermetalle enthalten, Bleisikkative und Konservierungsstoffe (Topfkonservierer) dürfen aber bis 0,5 % enthalten sein.

 

RAL-gekennzeichnete Dispersionslacke enthalten aber keine potentiell erbgutschädigenden Substanzen wie Glykole oder Glykolether.

 

Nitrozelluloselacke

 

Nitrozelluloselacke bestehen aus Zellulosenitrat, kombiniert mit anderen Naturharzen und/oder Kunststoffen. Sie haben immer einen hohen Lösemittelanteil (bis zu 70 %) und der fertig abgebundene Film enthält Weichmacher.

 

Verwendet werden sie hauptsächlich als Lackierungen für Holz oder Metall.

 

Die Beschichtungen sind licht- und wasser-, aber nicht immer wetterbeständig.

 

Zu den Nitrozelluloselacken gehören u.a. Zaponlack (farblos glänzender Schutzüberzug auf Metallen), Nitropolitur (hochglänzender, polierbarer Klarlack auf Möbeln) und Nitromattine (glänzender, nicht polierbarer Klarlack auf wenig beanspruchten Holzflächen).

 

Bei der Anwendung sind Schutzmaßnahmen erforderlich (s.o.), da es aufgrund hoher Lösemittelkonzentrationen in der Luft zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen (Schwindel, Übelkeit u.a..) kommen kann (ggf. auch Explosionsgefahr). Werden Formaldehydharze verwendet, kann Formaldehyd freigesetzt werden.

 

Nitrozelluloselacke dürfen nicht ins Abwasser gelangen, da viele Inhaltsstoffe stark wassergefährdend sind. Ihre Entsorgung ist wegen des hohen Lösemittelanteils problematisch.

 

Schellack

 

Schellack wird aus den harzigen Ausscheidungen der Lackschildlaus gewonnen. Er wird in Spiritus (Ethanol) gelöst und trocknet sehr schnell auf, ist nicht wetterfest und wird durch Lösemittel angegriffen.

 

Man verwendet ihn zum isolierenden Überstreichen von schadstoffbelasteten Materialien und Flächen auf Innenwänden und Decken. Schellack ist gesundheitlich unbedenklich.

 

Polyurethanlacke

 

Polyurethanlacke gehören zu den Reaktionslacken. Sie finden als 1-Komponenten- (1K-System) und als 2-Komponentenlack (2K-System) Verwendung. Besonders bekannt sind die Desmodur-Desmophen-Lacke (DD-Lacke; Handelsname der Fa. Bayer AG), bei der die eine Komponente u.a. den Polyolanteil (Stammlack) und die andere die Isocyanate (Härter) enthält.

 

Die Polyurethanlacke haben hohe Lösemittelgehalte. Um die Trocknungszeit zu verringern, können Polyurethanlacke mit Nitrolacken versetzt sein. Ein Zusatz anderer Bindemittel (Acrylharze, Polyesterharze) ist möglich.

 

Polyurethanlacke sind besonders hart, abriebfest und beständig gegen Wasser, Öle und Chemikalien. Sie werden daher vielfältig zur Beschichtung von Holz (Möbel, Parkett), Beton, Kunststoffen und Metallen verwendet.

 

Die in Polyurethanlacken enthaltenen Lösemittel führen bei der Anwendung zu hohen Raumluftkonzentrationen. Neben der Gesundheitsgefährdung für den Anwender führen die Lösemittelemissionen zu einer Belastung der Umwelt. Gerade die guten Verarbeitungseigenschaften (dickere und schneller härtende Einzelschichten) bewirken, daß die Lösemittel in solchen Beschichtungen relativ fest eingeschlossen werden und u.U. erst nach Monaten restlos entwichen sind. Bei der Verarbeitung von 2K-Systemen treten zudem noch Belastungen durch Isocyanate auf. Isocyanate reizen schon in sehr geringen Konzentrationen die Schleimhäute und können zu Sensibilisierungen führen.

 

Gesundheitsgefährdungen können auch von eventuell enthaltenen Aminen (Härter) ausgehen. Bei der Anwendung von Polyurethanlacken sind also umfangreiche Schutzmaßnahmen für den Verarbeitenden erforderlich. Das Umweltbundesamt rät Heimwerkern von der Verwendung von Polyurethanlacken ganz ab.

 

Polyesterharzlacke

 

Bei Polyesterharzlacken handelt es sich meistens um 2K-Systeme. Der Stammlack enthält ungesättigte Polyester gelöst in Styrol. Die Härter sind Peroxide.

 

Styrol wirkt narkotisierend und ist giftig, Peroxide wirken stark ätzend auf Haut und Schleimhäute und neigen außerdem zur Selbstentzündung. Deshalb müssen bei der Verarbeitung Schutzbrille, Atemschutzgerät und Schutzhandschuhe getragen werden.

 

Die Anstriche sind sehr widerstandsfähig und beständig gegen Wasser, Lösemittel, Chemikalien, Laugen und verdünnte Säuren und lassen sich in sehr hohen Schichten auftragen. Man verwendet sie besonders häufig für sehr strapazierfähige Möbellackierungen.

 

Epoxydharzlacke

 

Epoxydharzlacke bestehen ebenfalls aus zwei Komponenten. Der Stammlack enthält das Epoxydharz, der Härter Polyamine (dann wird der fertige Anstrich besonders lösemittel- und chemikalienbeständig), Polyamide (für hohe Elastizität und Wasserbeständigkeit) oder Polyisocyanate (für besonders hohe Säurefestigkeit).

 

Zweikomponentige Epoxydharzlacke verwendet man hauptsächlich für Unterwasseranstriche und als Korrosionsschutz auf besonders stark belasteten Untergründen aus Stahl oder Beton. Die wasserverdünnbaren verwendet man besonders für mechanisch sehr stark belastete Betonböden. Einkomponentige Epoxydharzlacke sind weniger widerstandsfähig.

 

Die Dämpfe aus den noch nicht abgebundenen Polyamin-Epoxydharzen sind sehr gesund­heitsschädlich, die Polyamine selbst wirken stark ätzend. Eine Belastung durch Monomere (Epichlorhydrin) ist wahrscheinlich. Das als Härter verwendete 4,4-Diaminodiphenylmethan hat sich gemäß MAK-Liste Kategorie 2 als krebserzeugend im Tierversuch erwiesen.