Fenster

Anzahl und Größe sollten in einem guten Verhältnis zur Wandfläche stehen. Helligkeit ist nicht nur eine Frage der Glasflächen, das gilt zwar physikalisch, aber nicht für die menschliche Wahrnehmung.

 

Zu behaglicher Helligkeit gehören die richtigen Proportionen des Raumes - Raumhöhe, Lage der Fenster zueinander, Art der Tätigkeit und anderes mehr. Gut geschnittene Räume wirken oft mit einem Fenster heller und offener als schlecht geplante mit mehreren Fenstern.  Eine gute Befensterung läßt sich einfach an den Fassadenansichten erkennen.

 

Überschlägig kann man rechnen, daß mindestens ein Achtel der Wohnfläche als Fensterfläche erforderlich ist.



Die Geschichte der Fenster

 

Die Geschichte der Fenster hilft Verständnis für vergangene Bauformen zu entwickeln. Um Licht in den Innenraum des Hauses zu leiten, wurden zunächst in der Außenmauer Steine weggelassen und ein Holzbalken als Sturz über die Öffnung gelegt.

 

Durch diese Öffungen blies der Wind und es regnete herein. Mit Erfindung des Glases war dieses Problem gelöst. Glas war aber nur in kleinen Scheiben herstellbar. Mit Sprossen aus Holz oder Blei konnten aus kleinen Scheiben größere Fenstern zusammengefügt werden. Wie andere Details am Bau entwickelte sich somit das Sprossenfenster aus einer technischen Notwendigkeit.

 

Ganz alte Fenster ließen sich nicht öffnen. Erst die Entwicklung von Scharnierbändern ermöglichte dies. Fenster zum Öffnen waren zweiflüglig, weil die Hebelkraft sonst die Bänder zu stark belastet hätte. Mit einfachen Haken wurde verhindert, dass der Wind die Fenster zuschlagen konnte. Da durch die dünnen Glasscheiben viel Wärme entweichen konnte, wurden Fensterläden in Form geschlossener Bretter angebracht.

 

Um ein angenehmeres Wohnklima zu bekommen, setzte man hinter das eine Fenster ein zweites. Somit entstand das Kastenfenster. Die Dämmfähigkeit war durch die eingeschlosse Luft erstaunlich gut.

 

Aus der Erfahrung lernten die Fensterbauer, daß beide Fenster nicht gleichermaßen dicht schließen durften, damit die Fenster nicht beschlagen. Also wurde nur das innere Fenster abgedichtet. Das geschah durch so genannte Fich-Bänder, die den Flügel durch den Druck eines vorgespannten Metallstreifens gegen den Stock drückten, denn Gummidichtungen gab es nicht.

 

Das äußere Fenster wurde bewußt mit einem Spalt versehen, andernfalls wären die Fensterscheiben von kondensiertem Wasserdampf beschlagen. Das Kastenfenster arbeitet also behutsam in zwei Schichten, und trotz des äußeren Luftspalts isolierten Kastenfenster vor Erfindung des Wärmeschutzisolierglases besser als normale Isolierglasfenster. Ähnlich funktioniert das Verbundfenster, nur mit geringerem Scheibenabstand. Beide Fensterarten, Kasten- und Verbundfenster, konnten aufgrund des geringen Glasgewichts zierlich gebaut werden. Die Sprossen waren zarte Holz- oder Bleileisten.

 

Aus dem Handwerk entwickelte sich somit im Lauf der Zeit ein Fenster, das gerade daraus seine unübertroffene Ästhetik und Harmonie bezieht.

 

Wärmeschutzverglasung

 

Isolierfenster (Fenster mit Wärmeschutzverglasung) haben zwischen Isolierglas eine Zwischenraumfüllung aus verschiedenen Edelgasen mit geringerer Wärmeleitung, die Scheibeninnenseiten werden zusätzlich mit einer unsichtbaren Metallschicht bedampft und somit erhält man einen k-Wert von 1,0 - 1,1 W/(m² K).

 

Die k-Werte gelten immer für eine Scheibenfläche von 1m x 1m. Der Schwachpunkt sind die Rahmen. Bei einem Fenster 1m x 1m sind dies 4 lfm Rahmen. Unterteilt man die Fläche in vier Scheiben, erhöht sich der Rahmenanteil auf 8 lfm. Kleinteilige Sprossenfenster mit Isolierglasscheiben haben also schlechtere k-Werte.

 

Immer mehr setzen sich mittlerweile Dreifachverglasungen mit einem sehr guten k-Wert von 0,7 W/(m² K)  durch.  Grundsätzlich ist dies sinnvoll, man sollte aber darauf achten, dass der g-Wert nicht zu klein ist. Er sollte mindestens 55-60 % betragen. Der g-Wert gibt den solaren Wärmezugewinn an. Das bedeutet, dass man die Gesamtbilanz des Fensters beachten sollte. Den Wärmeabfluss zu verhindern ist nur ein Aspekt, der zweite wichtige Aspekt ist eben auch so viel Wärmezugewinn zu erreichen wie möglich.

 

Silikat-Fensterglas läßt die gesunde UV-Strahlung im Wellenbereich von 303 bis 313 Nanometer nicht mehr durch. Ob dies gut ist, darüber streiten die Wissenschaftler noch.

 

Dreh-Kipp-Beschlag

 

Der Dreh-Kipp-Beschlag ist Standard, doch welchen Zweck hat die Kippfunktion?

 

Es ist besser, das Fenster kurz weit zu öffnen, um es danach wieder zu schließen (Stoßlüftung). Im Winter kippen heißt, Warmluft zu tauschen, denn diese steigt nach oben, wo die Kippöffnung am breitesten ist.

 

Räume kühlen auf diese Weise mehr aus, als sie gelüftet werden. Die Raumluft kühlt am Sturz ab und die von ihr transportierte Feuchtigkeit kondensiert. Das muß nicht zu Schäden führen, zur Auskühlung der Wand führt es allemal - Schimmel an der Leibung hat der eine oder andere sicher schon gesehen.

 

Kann die Stoßlüftung nicht regelmäßig durchgeführt werden, sind Zuluftöffnungen an den Fenstern mit einer kontrollierte Wohnraumentlüftung, evtl. mit Wärmerückgewinnung, eine bessere Lösung als das Fenster in Kippstellung.