Einstufung von künstlichen Mineralfasern

Seit dem 01.01.2000 gibt es eine Neufassung der Gefahrstoffverordnung. Diese enthält nun die europäische Einstufung von künstlichen Mineralfasern nach der EU-Richtlinie 97/69/EG. Danach werden künstliche Mineralfasern anhand der Gehalte an Alkali- und Erdalkalimetalloxiden eingestuft. Es ist zu beachten, dass es sich hier nicht um den national seit langem verwendeten Kanzerogenitätsindex Kl (TRGS 905; siehe weiter unten) handelt. Die nationale KI-Bewertung wurde auf europäischer Ebene nicht übernommen. Nach der neuen Regelung gilt nun für künstliche Mineralfasern:

 

1. Mineralwolle (Summe der Oxide> 18 Gew.%):


krebserzeugend Kat. 3, d. h. krebsverdächtig,

 

R38 = reizt die Haut,

 

R40 = irreversibler Schaden möglich, Gefahrensymbol gesundheitsschädlich

 

2. Keramische Mineralfasern (Summe der Oxide ~ 18 Gew.%):


Krebserzeugend Kat. 2, d. h. krebserzeugend im Tierversuch,

 

R38 = reizt die Haut,

 

R49 = kann Krebs erzeugen beim Einatmen, Gefahrensymbol giftig

 

National gibt es erhebliche fachliche Einwände gegen diese europäische Regelung. Besonders umstritten ist dabei der Inhalationstest als Ausstiegskriterium. Aus rechtsformalen Gründen wurde die Regelung dennoch in die Gefahrstoffverordnung übernommen.

 

Kanzerogenitätsindex gemäß TRGS 905:


Kl < 30: in Kategorie 2

 

"Stoffe die als krebserzeugend für den Menschen angesehen werden sollten. Es bestehen hinreichende Anhaltspunkte zu der Annahme, daß die Exposition eines Menschen gegenüber dem Stoff Krebs erzeugen kann."

 

Kl <30 und <40: in Kategorie 3

 

"Stoffe die wegen möglicher krebserregender Wirkung beim Menschen Anlaß zur Besorgnis geben, über die jedoch nicht genügend Informationen für eine befriedigende Beurteilung vorliegen. Aus geeigneten Tierversuchen liegen einige Anhaltspunkte vor, die jedoch nicht ausreichen, um einen Stoff in Kategorie 2 einzustufen."

 

Kl >40: "Keine Einstufung als krebserzeugend."

 

Der Kanzerogenitätsindex gilt zwar nach dem deutschen Gefahrstoffrecht als gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis, ist allerdings nicht unumstritten. Kritiker wenden ein, daß er nicht die Biolöslichkeit selbst, sondern, - indirekt über die chemische Zusammensetzung-lediglich als deren Indikator das kanzerogene Potential der jeweiligen Faser beschreibt.

 

Eine gemeinsame Stellungnahme einer Arbeitsgruppe aus BGA, BAU und UBA anläßlich des VDI/DIN-Kolloquiums "Faserförmige Stäube" 9/1993 in Fulda besagt:

 

"Es bestehen hinreichende Anhaltspunkte zu der begründeten Annahme, daß die Exposition eines Menschen gegenüber Glaswollfasern und Steinwollfasern Krebs erzeugen kann."

 

Sonstige gesundheitliche Auswirkungen von KMF:


Daneben können bedingt durch Faserstruktur und Zusatzstoffe (Bindemittel) eine Reihe weiterer gesundheitlicher Auswirkungen beim Umgang mit KMF auftreten, insbesondere Reizungen von Haut und Schleimhäuten, aber auch der oberen Atemwege und der Augen. Die Reizungen und eventuellen Entzündungen sind eine mechanische Reaktion auf scharfe, abgebrochene Faserenden. Sie sind keine allergische Reaktion und klingen gewöhnlich bald nach Beendigung der Einwirkung auf die Haut oder Schleimhäute wieder ab. Die feinen Stichverletzungen der Haut können das Eindringen von Krankheitserregern und damit das Entstehen von Entzündungen fördern.

 

Formaldehyd aus dem eingesetzten Kunstharz wird nur bei frisch hergestellten KMF-Dämmstoffen in erheblichem Maße emittiert. Danach nehmen die Formaldehyd-Konzentrationen rasch ab und stabilisieren sich nach einigen Tagen auf einem Niveau (Ausgleichskonzentration) von 0,02 - 0,05 ppm. Untersuchungen zeigen, daß sich die Formaldehydabgabe weiter vermindert: mittelfristig, d.h. über drei bis sechs Monate war durch den Alterungseffekt eine Abnahme der Emissionswerte um mehr als 50 % gegeben, d.h. auf Werte zwischen 0,01 und 0,03 ppm. KMF-Dämmstoffe sind daher an der Raumluftbelastung durch Formaldehyd nur untergeordnet beteiligt.

 

Phenol war in Untersuchungen nicht nachweisbar; sonstige leichtflüchtige organische Verbindungen (VOC) ließen sich erst bei Temperaturen über 90 °C nachweisen.

 

Die neuen Mineralwolle Dämmstoffe


Durch eine gezielte Modifikation der chemischen Zusammensetzung von KMF lassen sich inzwischen Produkte mit deutlich geringerem krebserzeugenden Potential und besserer Biolöslichkeit als herkömmliche Mineralfasern herstellen.